Lederherstellung und Gerbprozesse

Die Gerbung ist der erste und wichtigste Schritt bei der Lederwarenherstellung. Sie dient maßgeblich der Konservierung der Tierhäute, um ihre Zersetzung zu verhindern und sie für ihre spätere Verwendung zu stabilisieren – als Leder.

Gerbereien verarbeiten die Tierhaut in mehreren Arbeitsschritten zu Leder, Pelzen oder Fellen, die in der Lederindustrie zum Beispiel zu Schuhen, Bekleidung, Taschen, Gürtel und Uhren oder zu Produkten für Autos und Wohnmöbel weiterverarbeitet werden.

Die beiden wichtigsten Arten der Ledergerbung sind die Chromgerbung für nahezu alle Bekleidungs- und Schuhleder sowie die Pflanzengerbung für Gürtel, Sohlenleder und Reitleder. Die Ursache der Chrom(VI)-Belastung in vielen Lederwaren ist in der Herstellung zu suchen, denn der gängige und überwiegend angewandte Gerbprozess zeichnet sich durch den Einsatz von Chrom(III)-sulfaten aus, die die Eiweißfasern in der Tierhaut vernetzen und sie stabilisieren. Auf diese Weise schützt gebundenes Chrom(III) das Leder gegen Verrottung. Allerdings wird es unter bestimmten Herstellungs- und Lagerbedingungen teilweise zu gesundheitlich bedenklichem Chrom(VI) umgewandelt, das schon bei geringen Konzentrationen von 3 mg/kg Allergien und Hautreaktionen auslösen kann.

Unterschied zwischen pflanzlichen und chemischen Gerbprozessen

Der chemische Gerbprozess mittels Chrom(III) verläuft schneller als bei pflanzlichen Gerbprozessen, und das fertige Material ist deutlich reißfester, aber zugleich auch leichter, da sich weniger Gerbstoffe im Leder konzentrieren. Außerdem ist frisch gegerbtes Chromleder für den Transport und die Lagerung besser geeignet.

Pflanzliche Gerbverfahren haben eine sehr lange Historie und sind seit den Anfängen der Lederverarbeitung im Einsatz. Bekannt ist beispielsweise die Lohgerbung mit Eichenrinden, welche bereits von den Römern genutzt wurde. Pflanzliche Gerbverfahren sind gesundheitlich unbedenklich, aber vergleichsweise zeit- und kostenintensiv, sodass sie heute nur noch selten angewandt werden.