Zu den weltweit größten Exporteuren zählen im Bereich der Lederherstellung und -produktion nach wie vor die sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländer wie Indien, Vietnam, Bangladesch, Nepal und einige südamerikanische Staaten. Aus China werden mit großem Abstand die meisten Waren nach Deutschland importiert. Und der Import von Lederwaren und Ledererzeugnissen steigt ständig weiter. Derzeit werden jährlich Textilien, Bekleidungsartikel und andere Lederwaren im Wert von über 45 Milliarden Euro nach Deutschland importiert.

Die Herkunft dieser Produkte im Zuge der heutigen Globalisierung und des internationalen Handels nachzuvollziehen, gestaltet sich zu einer gewaltigen Aufgabe. Vergleicht man die Herstellungsprozesse der Lederindustrie in vielen außereuropäischen Ländern mit unseren gewohnten Ansprüchen und Qualitätsstandards, so steht fest, dass mitteleuropäische Maßstäbe bei der Lederproduktion oft keine Anwendung finden. Doch genau solche Lederprodukte finden wir in unseren Regalen wieder.


Lederherstellung und Gerbprozesse

Die Gerbung ist der erste und wichtigste Schritt bei der Lederwarenherstellung. Sie dient maßgeblich der Konservierung der Tierhäute, um ihre Zersetzung zu verhindern und sie für ihre spätere Verwendung zu stabilisieren – als Leder.

Gerbereien verarbeiten die Tierhaut in mehreren Arbeitsschritten zu Leder, Pelzen oder Fellen, die in der Lederindustrie zum Beispiel zu Schuhen, Bekleidung, Taschen, Gürtel und Uhren oder zu Produkten für Autos und Wohnmöbel weiterverarbeitet werden.

Die beiden wichtigsten Arten der Ledergerbung sind die Chromgerbung für nahezu alle Bekleidungs- und Schuhleder sowie die Pflanzengerbung für Gürtel, Sohlenleder und Reitleder. Die Ursache der Chrom(VI)-Belastung in vielen Lederwaren ist in der Herstellung zu suchen, denn der gängige und überwiegend angewandte Gerbprozess zeichnet sich durch den Einsatz von Chrom(III)-sulfaten aus, die die Eiweißfasern in der Tierhaut vernetzen und sie stabilisieren. Auf diese Weise schützt gebundenes Chrom(III) das Leder gegen Verrottung. Allerdings wird es unter bestimmten Herstellungs- und Lagerbedingungen teilweise zu gesundheitlich bedenklichem Chrom(VI) umgewandelt, das schon bei geringen Konzentrationen von 3 mg/kg Allergien und Hautreaktionen auslösen kann.

Unterschied zwischen pflanzlichen und chemischen Gerbprozessen

Der chemische Gerbprozess mittels Chrom(III) verläuft schneller als bei pflanzlichen Gerbprozessen, und das fertige Material ist deutlich reißfester, aber zugleich auch leichter, da sich weniger Gerbstoffe im Leder konzentrieren. Außerdem ist frisch gegerbtes Chromleder für den Transport und die Lagerung besser geeignet.

Pflanzliche Gerbverfahren haben eine sehr lange Historie und sind seit dem Zeitalter der Lederverarbeitung im Einsatz. Bekannt ist beispielsweise die Lohgerbung mit Eichenrinden, welche bereits von den Römern genutzt wurde. Pflanzliche Gerbverfahren sind gesundheitlich unbedenklich, aber vergleichsweise zeit- und kostenintensiv, sodass sie heute nur noch selten angewandt werden.


Chrom(VI) als Allergen und Krebserreger

Gemessen an der Häufigkeit des Auftretens unerwünschter Hautreaktionen und -sensibilisierungen zählt Chrom(VI) zu den wichtigsten Allergenen. Bei häufigem Kontakt mit Chrom(VI) können allergische Hautreaktionen ausgelöst werden und im schlimmsten Fällen sogar Krebs. Mediziner und Experten gehen davon aus, dass es in Deutschland mehr als 500.000 Personen gibt, die von Chromallergien betroffen sind. Das äußerlich erkennbare Erkrankungsbild sind Hautekzeme und Ausschläge an Hautpartien, die mit Chrom(VI) in Kontakt waren.

Grundsätzlich ist die Herstellung von Chrom(VI)-freien beziehungsweise -armen Lederwaren möglich, sofern die technischen Standards eingehalten werden. Auch der verantwortungsbewusste Umgang mit Leder in der Herstellung und Verarbeitung spielt hierbei eine tragende Rolle.

Problematisch erhöhte Chrom(VI)-Werte treten häufig in Lederschuhen und Lederhandschuhen auf. Ebenfalls betroffen sind aber auch Lederaccessoires wie Uhren und Gürtel, die sich ebenfalls oft als belastet darstellen.

Verbraucher können Chrom(VI)-belastete Lederwaren nicht direkt erkennen, auch wenn Chrom(VI)-Rückstande in vielen Produkten und Gegenständen enthalten sind. Laut einer dänischen Studie wiesen 44 % der untersuchten Lederprodukte Konzentrationen von mehr als von 3 mg Chrom(VI) pro kg Leder auf. Nicht nur in Lederwaren, sondern auch in Farben, Lacken und Farbmittel für Textilien werden oft deutlich erhöhte Chrom-Werte festgestellt.